Saturday, November 26, 2016

Franz Zeier, Buchbinder

Franz Zeier (1923 - 2011), Papiergestalter/-künstler und Buchbinder. Er ist am besten bekannt für sein Buch Schachtel, Mappe, Bucheinband (1983), daß 1990 auch auf Englisch erschien. Ich bekam das Buch 1984 während meines Praktikums am Germanischen Nationalmuseum in die Hand und es wurde schnell einer meiner lieblings- Fachbücher. Die englische Ausgabe wurde DAS Fachbuch, daß ich meinen Schülern empfiehl weil es sehr klar geschrieben ist und zeigt wie man ohne größere Ausrüstung schöne Bücher binden kann.

Franz Zeier, who was a paper designer and bookbinder, and is best known as the author of Schachtel, Mappe, Bucheinband (1983). This was translated into English as Books, Boxes, and Portfolios (1990). I was introduced to the German original during my internship at the Germanisches Nationalmuseum (1984) where it quickly became a favorite. The translation became my manual of choice when teaching my ongoing bookbinding class. English summary continues at bottom of this page...

Papier: Versuche zwischen Geometrie und Spiel, 1974-
Zeiers erstes Buch.
Siehe auch Kurt Londenbergs Papier und Form.

Schachtel, Mappe, Bucheinband, 1983- | Books, Boxes, and Portfolios, 1990-

Aber, wie in vielen Fällen, weiß man nicht viel über diese Persönlichkeiten und/oder deren eigenen Arbeiten. Laut seinen "biographischen Notizen" in Buch und Bucheinband sammelte Zeier Erfahrungen die sein Schaffen prägten bevor er zum Bucheinband kam – er an der Kunstgewerbeschule Luzern, Mitarbeiter des "Papierplastikers" Eugen Häfelfinger in Zurichte, absolvierte eine Lehre als Tiefdruckretoucheur und arbeitete in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Frankreich.  Erst danach, 1951, begann er eine zweite Ausbildung in der Fachklasse für Handbuchbinder der Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich unter der Leitung von Friedhold Morf:
Meine Lehrzeit in der Fachklasse für Handbuchbinder der Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich jetzt Schule für Gestaltung), damals unter der Leitung des Meisters Friedhold Morf, war eine Schulung, die sich besonders auf den handwerklich wie ästhetisch anspruchsvollen Einband konzentrierte. So durfte ich es nach meiner Lehrzeit und einem Weiterbildungsjahr wagen, auch anspruchsvolle Arbeiten in Leder auszuführen, wie die erwähnten Franzbände. Bei der Losung formaler Probleme kamen mir meine Erfahrungen als Grafiker zustatten. Diese Einbande bilden eine Gruppe für sich und haben nur wenig Beziehung zu den daneben und später entstandenen Arbeiten. Obgleich ich die Beschäftigung mit den etwas hochgezüchteten Objekten nicht lustlos betrieb, das Kombinieren mit Prägestempeln mir Spaß machte, konnte ich eine gewisse Abneigung gegenüber dieser Luxusbuchbinderei im Lauf der Jahre immer weniger verdrängen. Der Erreger des Unbehagens war nicht das handwerklich Besondere daran als vielmehr die mir fremde Art, mit dem Buch umzugehen. Ganz ohne Verständnis für das Liebhaberische im Umgang mit Büchern, insbesondere mit schonen Büchern, bin ich nicht, sonst hatte ich diesen Beruf nie ergriffen. Wofür ich weniger Verständnis habe, ist der Kult, der mit Luxusdrucken, Luxuseinbanden und Faksimile-Ausgaben getrieben wird. Eigentlich mußte ich dies begründen, aber dazu ist hier nicht der Ort.

Von den in jenen ersten Jahren entstandenen Arbeiten - so gut wie alle waren für Kunden ausgeführt - sind mir nur die wenigsten noch erreichbar, weshalb ich sie mit noch vorhandenen Entwürfen dokumentiere. Man kann aber auch so die Absicht erkennen, die Einbande nicht zu überladen, die natürliche Oberfläche des Leders, des Pergamentes nicht durch üppige Dekors um ihre Wirkung bringen. Oft begnügte ich mich mit dem Titel auf Rücken und Vorderdeckel. Dach um diese wenigen Elemente richtig zu verteilen, auch um die für den bestimmten Fall geeignete Schrift zu finden, sparte ich nicht mit Versuchen und Entwürfen.
Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen... Zeier Schrieb auch einen Aufsatz über sein Verhältnis zu Morf in dem Katalog Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960, Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961. Hier mein Betrag zu Friedhold Morf.


Buch und Bucheinband

Pappband mit Schuber aus Buch und Bucheinband

Pappbänder aus Buch und Bucheinband

Seiten Ansichten von dem Buch gibts hier → Buch und Bucheinband.

Eine Vivian Pieper schrieb im May 2015 auf dem Blog der Buchbinderei Köster einen Aufsatz über den "Handbuchbinder Franz Zeier:"
"Selbst wenn der Einband fehlte, das Buch könnte man trotzdem lesen."

Dieser Satz, von dem sich manch ein Buchbinder vielleicht auf den Schlips getreten fühlt, spiegelt das Verständnis eines Künstlers wieder, der dem Buch dienen will und seine Arbeit auf eine Weise versteht, die in den Anfängen wohl etwas Überwindung kostet. Den Mut zum Einfachen aufzubringen ist für seine Arbeit maßgebend – einer, der etwas von seinem Handwerk versteht; einer, der vielleicht alles kann, aber nicht alles will:

Franz Zeier, bereits 2011 im Alter von 88 Jahren verstorbener Handbuchbinder, Papier-Designer und Fachbuchautor aus Zürich, war wohl einer der großen Buchkünstler unserer Zeit. Aus zahlreichen Aufsätzen und anderen Veröffentlichungen wird deutlich, dass seiner Arbeit vor allem eins zu Grunde liegt: Eine tiefe Liebe zum Buch. Er spricht von der „Richtigkeit“ und auch „Menschlichkeit der herkömmlichen Buchform“ als solche, die durch nichts übertroffen oder abgelöst werden könnte. Dennoch sieht er sich als modernen Buchkünstler, der jedoch nichts umkrempeln und neu erfinden will, sondern mit den herkömmlichen Elementen des Buches spielt und sie weiterentwickelt.

"So genau, so angenehm, so richtig soll ich meinen Einband machen, dass er durch gar nichts Besonderes auffällt."
Diese Einfach- und Schlichtheit ist in alle den Einbänden von Zeier zu sehen, und Pieper leitet den Leser zu zwei Büchlein von Zeier über seine Arbeiten, Richtigkeit und Heiterkeit: Gedanken zum Buch als Gebrauchsgegenstand (1993) und Buch und Bucheinband (1995).

Zeiers "Markenzeichen" waren seine Pappeinbände. Diese Vorliebe kam in Schachtel Mappe, Bucheinband zum Ausdruck, eignen sich doch Pappeinbände (oder halb-Gewebe) bestens fuer Anfänger, besonders wenn diese auch die Buntpapiere anfertigen. Pieper erklärt, daß Zeier "den Höhepunkt der Einfachheit" 1984 (ein Jahr nach dem erscheinen von Schachtel, Mappe, Bucheinband) erreichte, "als er sich künftig auch von gemusterten Papieren fern-hielt." Von dem Zeitpunkt an war es die Abstimmung von Farbe und Proportion des Papiers und Titelschild die den Einband bestimmten. Diese Ästhetik ist auch wie geschaffen für Kleinauflagen von Pressen-drucken und Künstlerbüchern.

Zu der Eröffnung einer Ausstellung von Zeiers Arbeiten im Gewerbemuseum Winterthur schrieb Jost Hochuli einen Aufsatz, "Richtig und Heiter, Bucheinbände von Franz Zeier:"
Ich war beeindruckt, weil hier ein Handbuchbinder mit klaren Aussagen Front machte gegen das, was in der Gilde international zum guten Ton gehört: gegen die Interpretation - zumeist banale Interpretation- des Buchinhalts aufdem Einband und gegen übermäßigen Aufwand an Materialien, an Leder, Holz, Kunststoffen, an Silber, Gold und anderen Metallen. Solche Einbände zeugen zwar oft von erstaunlichem handwerklichem Können und Raffinesse, in gestalterischer Hinsicht sind es jedoch fast immer Grauslichkeiten, das Mißverhältnis zwischen aufgedonnertem Einband und bescheidenster Buchtypografie kraß und lächerlich.
Diese Aussage ist vielleicht ein Bisschen extreme, aber hat was in sich. Weiter:
Franz Zeiers Arbeiten kommen aus der Stille, und sie führen den, der sich mit ihnen beschäftigt, zur Stille hin. Das ist ihre überzeugende Stärke.Jedes Detail wird da bedeutend: die Struktur des verwendeten Überzugpapiers, seine Farbe, die raffiniert schwache Rundung des Rückens, die schmalen, nur einen knappen Millimeter vorstehenden Kanten, die Stellung des Schildchens auf dem vorderen Deckel oder Rücken, seine Größe, seine Farbe und die typografische Gestaltung. Die Kombinationen, die sich daraus und mit dem jeweiligen Format und der Stärke des Bandes ergeben, bieten einen großen Reichtum an Möglichkeiten.
Mit den Titelschildern hat sich Zeier viel Liebe und Mühe gegeben, was auch in Schachtel, Mappe, Bucheinband zum Ausdruck kam.

Still und heiter, der Buchbinder Franz Zeier zum Beispiel (2013) besteht aus einer Reihe von Zitaten und kurzen Aufsätzen von Zeier nicht nur zu seinen Einbänden, sondern auch zu seinen Papierarbeiten, Zeichnungen, und Photographien. In alle diesen Bereichen war er Tätig.

Still und heiter...

Das Zeier-Windrad, Beispiel einer Papierarbeit aus Still und heiter...

Einbandentwürfe wie sie in Schachtel, Mappe, Bucheinband zu sehen sind.
Aus Still und heiter...

Pappeinbände mit Kleisterpapieren aus Still und heiter...

Rückentitel aus Still und heiter...


Bettina Wija-Stein, Mitarbeiterin an der Hochschule für Graphik und Buchkunst, Academy of Fine Arts, in Leipzig schreibt, "Die Haltung Franz Zeiers ist mir sehr nah, denn auch bei meinen Büchern behandle ich Typografie und Illustration sensibel, der Einband selbst, zweckmäßig, schön und zeitlos, spiegelt den Inhalt, meist unveröffentlichter, von mir selbstgewählter Texte, wieder..."

"Zweckmäßig, schön und zeitlos," daß beschreibt die Arbeiten von Zeier bestens!

Veröffentlichungen von Franz Zeier | Publications by Franz Zeier aus Still und heiter...
  • In: Der Buchbinder Friedhold Morf 1901-1960. Zürich: Kunstgewerbemuseum, 1961.
  • In: Bindetechnik 3. Stäfa, 1984.
  • Papier. Versuche zwischen Geometrie und Spiel. Bern und Stuttgart: Paul Haupt, 1974. 2. Aufl.1983.
  • Paper Constructions, gekürzte amerikanische Ausgabe von Papier. Versuche zwischen Geometrie und Spiel). New York: Scribner's Sons, 1980.
  • Schachtel, Mappe, Bucheinband. Bern und Stuttgart: Paul Haupt, 1983. 2.Aufl.1994.
  • Books, Boxes, Portfolios, vollständige amerikanische Ausgabe von Schachtel, Mappe, Bucheinband). NewYork: Design Press, 1990.
  • und "Ungebundene Gedanken zum Thema Handeinband." Vorträge in der Reihe "Öffentliche Publizistik-Vorlesung an der Universität St.Gallen" (Prof. Dr. Peter Wegelin), Januar 1990.
  • Richtigkeit und Heiterkeit. Gedanken zum Buch als Gebrauchsgegenstand. St.Gallen: VGS Verlagsgemeinschaft. Reihe Typotron, Nr. 8, 1990. 2.Aufl.1993.
  • Rightness and Lightness. Thoughts on the Book as an Object of Use. St.Gallen: VGS Verlagsgemeinschaft. Reihe Typotron, Nr. 8, englische Ausgabe, 1990.
  • Vortrag anläßlich der Vorstellung des Typotron-Heftes Richtigkeit und Heiterkeit in St.Katharinen, St. Gallen, 23. Nov.1990.
  • Buch und Bucheinband. Aufsätze und Bemerkungen. St.Gallen: VGS Verlagsgemeinschaft, 1995.
  • Papier literarisch. Neunmal siebenundzwanzig Zitate aus der schönen Literatur. Bern und Stuttgart: Paul Haupt, 2007.
  • Fraßbilder von Insekten an Laubblättern. Sammlung und Text Franz Zeier, Fotografien Michael Rast, Nachwort Laurenz Winkler. Winterthur: Selbstverlag, 2011.19 Tafeln in Mappenschachtel. [Limitierte, nicht im Handel erhältliche Auflage von 12 Exemplaren]
Veröffentlichungen über Franz Zeier | Publications about Franz Zeier aus Still und heiter...
  • Eduard Plüss, in: TM, Typografische Monatsblätter 12, St. Gallen 1969. (Auch als Separatdruck erschienen.)
  • Herbert Kramel, in: Graphis 176, Zürich, 1975.
  • Carla Colombo, in: Forme 64, Cermenate/Como, 1976, in: Tekune. Tokio, 1977.
  • Walter Diethelm, in: Visual transformation. Zürich: ABC Verlag, 1982.
  • Jost Hochuli, in: Librarium, 40. Jahrgang, Heft 1. Zürich, 1997.
  • Jost Hochuli, in: Jost Hochuli: Das ABC eines Typografen. St.Gallen: VGS Verlagsgenossenschaft, Reihe Edition Ostschweiz, Nr.13, 2011. 

ENGLISH

Franz Zeier (1923 - 2011), who was a paper designer and bookbinder, and is best known as the author of Schachtel, Mappe, Bucheinband (1983). This was translated into English as Books, Boxes, and Portfolios (1990). I was introduced to the German original during my internship at the Germanisches Nationalmuseum (1984) where it quickly became a favorite. The translation became my manual of choice when teaching my ongoing bookbinding class.

Zeier came to bookbinding via several other experiences including working with a paper artist (something that no doubt influenced his work with paper and the book Papier), completed an apprenticeship as a printer/engraver, worked as a farm-hand in France, all before beginning his studies in bookbinding with Morf at the Fachklasse für Handbuchbinder der Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich. (Zeier also contributed an essay for the catalog Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960. Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.) In a short biographical essay in Buch und Bucheinband (page spreads can be viewed here) Zeier discusses this experience and the emphasis on becoming proficient in the craft of bookbinding, including fine binding, working with leather and tooling... While this is something he learned and practiced, he made it clear that this is not where his interests lay, preferring the natural textures and colorings of the materials, avoiding tooling..., and working with simple titles and labels on spine or front board.

This aesthetic is clear in the many largely paper bindings he crafted over the years, covered in marbled or paste papers with labels. Some of these were millimeter bindings with leather, cloth, or parchment trim, others in partial (or full) cloth. In an article about Zeier, Vivian Pieper writes that after 1984 he abandoned the use of decorated papers in favor of simply letting the paper and crisp binding with title label speak for themselves. The bindings themselves distinguished themselves through crisp and clean craft, a subtle rounding of the spine, 1 millimeter wide squares around the textblock with appropriately thin boards, and the positioning of the label. By forgoing decorative elements, save a label, he let's the text of the book speak for itself. The aesthetic of his bindings is beautifully suited to fine press editions or editioned artist's books.


Wednesday, November 23, 2016

„Safety first"

Bin dabei etwas in der Fachbibliothek zu stöbern und fand im 12. Jg. vom Falzbein (1959-60) diesen Aufsatz zum them Sicherheit und Risikobereitschaft. Thematische Zeichnungen stammen ebenfalls aus dem Band...

Been browsing the reference collection and found an article on safety in the workplace and the willingness to take risks in Das Falzbein, Vol. 12 (1959-60). Without translating the article. Be safe when appropriate (see caricatures), but otherwise learn to take risks to move yourself and career forward. No risks, no rewards... The caricatures are from the same issue...

Even the Meister doesn't dare enter the workshop...

„Safety first" ist nicht immer angebracht

Nichts gegen gewisse Sicherheiten! Nichts auch gegen das „safety first!" im Kampf gegen den Verkehrstod auf der Straße und gegen den Unfallteufel im Betrieb. Das besagt aber nun noch lange nicht, daß die Parole des „safety first!" immer und überall angebracht ist. In den entscheidenden Augenblicken unseres Lebens nützt uns meistens alle äußere Sicherheit nur in dem Maße etwas, in dem wir unserer selbst sicher sind. Diese geistige Sicherheit jedoch kann immer nur auf dem Wege äußerster, bewußter Unsicherheit gewonnen werden. Das gilt es heute mehr denn je auseinanderzuhalten. Denn wer zur rechten Zeit nicht mehr den Mut zum Risiko aufbringt, der setzt sich nur allzu leicht dem Risiko aus, daß andere ihn noch zu viel größeren Risiken zwingen. Dieser Gefahr gilt es vorzubeugen...

Der ganze Aufsatz ist hier als PDF oder unten als JPG.

Poster asks, "are you grabbing a wasp's nest?,"
apprentice about to put hands in glue machine responds with "stupid question."

Take a breath and slow down (pay attention) /
otherwise you'll lose the tip of your thumb /
...

Klick Bild zum vergrößern | Click to enlarge

Saturday, November 19, 2016

Friedhold Morf, Buchbinder

English text at bottom of post

Friedhold Morf (1901-1960) war ein Schweizer Buchbinder. Er absolvierte seine Lehre 1916-19, und studierte anschließend in der Fachklasse für Buchbinderei der Kunstgewerbeschule in Zürich (1920-21), unter F.H. Ehmcke an der Kunstgewerbeschule München (1921) und der Buchbinder-Fachschule Berlin (1922). Seinen Meisterbrief verdiente er im April 1922 worauf er auch Leiter der Buchbinderklasse der Kunstgewerbeschule in München ernannt wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kehrte Morf zurück in die Schweiz wo er der bis zu seinem Tod 1960 der Leiter der Fachklasse für Buchbinden an der Kunstgewerbeschule in Zürich war.

Friedhold Morf aus/from Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960.Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.

Morf ist bekannt als Herausgeber von zwei Büchern über die Buchbinderei. Der Bucheinband [1926] und Papparbeit und Bucheinband (1930 mit weiteren Ausgaben). Der Bucheinband war eine Einführung in die Buchbinderei für alle die an der Buchbinderei ob als Beruf oder Sammler interessiert waren, ähnlich wie Ernst Collins Buchbinderei für den Hausbedarf. Papparbeit und Bucheinband ist weit ausführlicher mit besseren Diagrammen sowie der Zugabe von Papparbeiten wie Schachteln... die oft von Buchbindern hergestellt werden. Beide Einleitungen können als Bild unten gelesen werden.

Katalogbestand der DNB | Catalog record of the DNB

Interessant ist auch Morfs Rolle als Lehrer von Franz Zeier, Papiergestalter/-künstler und Buchbinder. Er ist am besten Bekannt für sein Buch Schachtel, Mappe, Bucheinband (1983), daß 1990 auch auf Englisch erschien. Ich bekam das Buch 1984 während meines Praktikums am Germanischen Nationalmuseum in die Hand und es wurde schnell einer meiner lieblings- Fachbücher. Die englische Ausgabe wurde DAS Fachbuch, daß ich meinen Schülern empfiehl weil es sehr klar geschrieben ist und zeigt wie man ohne größere Ausrüstung schöne Bücher binden kann. Mehr über Zeier in einem folgenden Beitrag, aber der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen... Zeier Schrieb auch einen Aufsatz über sein Verhältnis zu Morf in dem Katalog Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960.Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961. Mein Beitrag zu Zeier ist hier zu lesen.

Der Bucheinband, 1926

Der Bucheinband, [1926]

Einleitung zu Der Bucheinband, 1926

Pappbände (Paper bindings) aus Der Bucheinband, 1926

Papparbeit und Bucheinband, 1951


Papparbeit und Bucheinband, 1951

Einleitung zu Papparbeit und Bucheinband, 1951

Büroschachtel (Stationary box) aus Papparbeit und Bucheinband, 1951

Der Pappband (Paper bindings) aus Papparbeit und Bucheinband, 1951

Einbände von Friedhold Morf | Bindings by Friedhold Morf

Undatierter Ganzpergamenteinband (Full-vellum binding) an F.H Ehmcke.
Die Buchstaben werden aus den "vergoldeten" Linien geschaffen.
The title is tooled with simple lines.
Aus Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960.Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.

Undatierter Ganzfranzband (Extra binding) an La Boxe.
Aus Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960.Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.

Halbpergamenteinbände (Quarter vellum bindings) aus
Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960.Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.
ENGLISH:

Friedhold Morf (1901-1960) was a Swiss binder who completed  his apprenticeship (1916-19), trained at in the Fachklasse für Buchbinderei of the Kunstgewerbeschule in Zürich (1920-21), then studied under F.H. Ehmcke at the Kunstgewerbeschule Munich (1921) and at the Buchbinder-Fachschule Berlin (1922), before being award his Meister in Munich in April of that year. He was subsequently appointed director of the bookbinding department at the Kunstgewerbeschule Munich.In 1933 with the election of Hitler, Morf returned to Switzerland where he became director of the Kunstgewerbeschule in Zürich until his death in 1960.

He is best known as the author of 2 books on binding, Der Bucheinband [1926] and Papparbeit und Bucheinband (1930 with subsequent editions). Der Bucheinband was a basic introduction to all aspects of bookbinding covering paper bindings through leather and tooling, similar in scope to Ernst Collin's Buchbinderei für den Hausbedarf. The introduction describes it as providing an overview of the techniques bookbinders will encounter in the trade, with the caveat that to really learn they will need to reach for more comprehensive texts [and learn the trade as an apprentice?]. The book is also designed for bibliophiles to give them the knowledge they need to work with bookbinders and to judge the quality of the work. Techniques are described in order of complexity. Papparbeit und Bucheinband built on Der Bucheinband but can be described as a "real" manual with much more comprehensive instructions, better diagrams, and the addition of a variety of boxes and other enclosures that bookbinders often make.

Of interest is also Morfs role as the teacher of Franz Zeier, who was a paper designer and bookbinder, and is best known as the author of Schachtel, Mappe, Bucheinband (1983). This was translated into English as Books, Boxes, and Portfolios (1990). I was introduced to the German original during my internship at the Germanisches Nationalmuseum (1984) where it quickly became a favorite. The translation became my manual of choice when teaching my ongoing bookbinding class. More about Zeier in a later post, but the lineage is undeniable. Zeier also contributed an essay for the catalog Der Buchbinder Friedhold Morf, 1901-1960. Kunstgewerbemuseum Zürich, 1961.

Sunday, November 13, 2016

Binding Ideas | Einband Ideen

Starting work on some bindings, mostly playing around with designs and texture/color combinations, but also doing real prep so I can hit the ground running...

For the Boss Dog's Three Lectures in the Eberhardtiana series...

Reddish Roma endpaper that matches headings in text with black fish and red eel.
I think I'll go with the black fish, and make more pastepapers...

Below, some ideas for paring fish with goat, a bibliophilic "surf n' turf," for the Boss Dog's edition of my Ernst Collin The Bone Folder. Printing is underway and there are exhibition deadlines coming up in the next 6-months ~ year... Want to have more than one appropriately bound. Why fish? It was something Collin wrote about.



Friday, October 21, 2016

Handwerkskunst Buchbinden - Aus Liebe zum Papier

In Zeiten der digitalen Revolution gilt der Job des Buchbinders als fast vergessenes Handwerk. Gerade mal 46 Buchbindereien gibt es noch im Land. Für Johannes Schneider aus Mainz ist es dennoch der absolute Traumberuf. 

Ein video des SWR. Mehr zum Film hier.

In this age of digital revolution, the work of bookbinders is an almost lost art. In Rheinland Pfalz, a state of Germany, there are now just 46 binderies. It is still, however the absolute dream job for Johannes Schneider of Buchbinderei Gärtner in Mainz.

Video in German.


Friday, October 14, 2016

Badass Bindery Employee - Knallharte Buchbinderei Angestellte

I love looking for bookbinding related photographs, postcards, and other ephemera on eBay... This was one I couldn't resist.

Ich suche oft und gerne nach Photos, Postkarten u.A. auf eBay. Dieses Bild war eins dem ich nicht widerstehen konnte.

"Pretty and youthful Millie Samarin"
"Die hübsche und junge Millie Samarin"

Photo Verso
Philadelphia Girl Captures Bandit by Biting Him.
Photo is of pretty and youthful Millie Samarin, 18-years old, of 1487 N. 53rd Street, Philadelphia. She is employed in a bookbinding concern and recently returned with the payroll to the office. An alleged bandid stopped her in the hall. "Give me IT" quoth he. "Nit" answered she [in Yiddish?]. He grabbed Millie and she grabbed him -- with her teeth sunk in his shoulder. He screamed for help and Detectives Brendley and Van Ness rescued him. In the hoosegow [prison]he thanked his [rescjers]. Millie took the payroll to the office.
Your Credit Line Must Read: -By United [Newspictures])
Philadelphia Mädel fängt mit Bissen Banditen ein.
Das Photo ist von der hübschen und jungen Millie Samarin, 18 Jahre alt, ..., aus Philadelphia. Sie arbeitet in einer Buchbinderei und kam neulich mit Lohnfonds zurück in die Firma. Dort wurde sie im Flur von einem angeblichen Banditen angegriffen. "Gib es mir!" sagte er. "Nit" antwortete sie zurück [auf Jiddisch?]. Dann griff er sie an, und sie kämpfte zurück und biß ihn in die Schulter. Er schrie nach Hilfe, und die Bullen retteten ihn. Im Knast bedankte er sich dann bei seinen Rettern. Millie brachte dann die Lohnfonds ins Büro.
Bildquelle muß sein: Von United [Newspictures])
Date of image, Jan 31, 1924
Her home now a vacant lot...| Das Haus ist jetzt eine Lücke...

Now imagine what she could have done with a guillotine around, but it doesn't sound like she needed one...

Was hätte sie gemacht wenn eine Schneidemaschine in Reichweite gewesen wäre. Hörte sich aber nicht dannach an als hätte sie den gebraucht...

Saturday, September 24, 2016

Buchbinderlehrling in Bernard Middleton's Collection

Spent a wonderful afternoon with Jeff Peachey in Bernard Middleton's Collection in the Cary Graphic Arts Collection at RIT this week. In among the treasures of this incredible collection of all things bookbinding and allied crafts was this copy of the Buchbinderlehrling from 1930. The binding was not signed, and was most likely made either for the annual apprentice bookbinding competition or the apprentice's final exam.

More about the Buchbinderlehrling here.

Habe in dieser Woche einen wunderbaren Nachmittag mit Jeff Peachey in der Bernhard Middleton Sammlung der Cary Graphic Arts Collection von RIT verbracht. Unter den vielen Schätzen der Buchbinde- und Buchkunstliteratur war dieses Exemplar vom Buchbinderlehrling, 1930. Der Einband war nicht signiert, wurde aber in aller Wahrscheinlichkeit für den jährlichen Lehrlingswettbewerb oder die Gesellenprüfung hergestellt.

Mehr über den Buchbinderlehrling hier. 

 
Full leather binding with gilt top edge and gold tooling.
Ganzfranzband mit Goldschnitt und Vergolding.

Detail of the title on front board - The title was constructed using straight line and one curved pallets and gouges.
Detail des Titels auf Vorderdeckel - Der Titel wurde aus Linien und ein Bogen zusammengesetzt.

Title on spine - The left justification didn't work so well and there are other issues.
Titel auf dem Rücken - Linkbündig und Vergoldung sind eher nicht gelungen.

Blurry endpapers with Middleton's bookplate.
Unscharf, aber mit Middletons Exlibris